Taktile Sensorsysteme

Taktile Sensorsysteme sind dem menschlichen Tastsinn nachgebildete Sensorsysteme, die es ermöglichen, mechanische Berührungen wahrzunehmen. Mit Hilfe dieser Sensoren können sowohl einzelne Berührungen, als auch großflächige Druckverteilungen ortsaufgelöst erfasst werden. Der Einsatz in technischen Systemen eröffnet dabei neue Möglichkeiten im Bereich der Mensch-Maschine Interaktion, online-fähigen Prozessüberwachung aber auch dem feinfühligen Greifen. Die möglichen Einsatzfelder erstrecken sich über eine Vielzahl unterschiedlicher Branchen und reichen von der klassischen Industrieautomatisierung, über moderne Roboteranwendungen bis hinein in die Medizintechnik.

Das Fraunhofer IFF entwickelt und fertigt maßgeschneiderte taktile Sensorsysteme. Das Leistungsangebot reicht von einfachen Prototypen bis hin zu komplexen Sensorsystemen, wobei die Entwicklung von Messwandler, Elektronik und Software eingeschlossen ist. Nachfolgend geben wir Ihnen einen Überblick über unsere Sensortechnologie und verweisen auf Referenzprojekte, die Ihnen mögliche Anwendungsfelder aufzeigen. Die wesentlichen Anwendungsfelder sind der taktile Fußboden, die taktile Roboterhaut und die taktilen Greifer.

Sensortechnologie

Das Herzstück der taktilen Sensorsysteme des Fraunhofer IFF bilden Messwandler auf Basis piezoresistiver Polymerkomposite. Das resistive Messprinzip ermöglicht in Kombination mit einem patentierten Matrixaufbau die ortsaufgelöste Erfassung von Druckverteilungen. Der Einsatz von flexiblen Kontaktierungsmaterialien gewährleistet eine hohe Robustheit und Lebensdauer. Die adaptierbare und ausgeklügelte Sensorelektronik stellt zudem eine schnelle und zuverlässige Abtastung der Messwandler sicher. Je nach Einsatzfall kann die Elektronik dabei separat oder direkt in die Messwandler integriert werden. Für die Systemintegration stehen verschiedene Kommunikationsschnittstellen oder auch Schaltausgänge zur Verfügung.

Vielseitig einsetzbar

Die taktilen Messwandler können hinsichtlich Form, Größe und Auflösung an den jeweiligen Anwendungsfall angepasst werden. Moderne Fertigungsverfahren ermöglichen eine freie Formgebung, wodurch ebenfalls dehnbare und flexible Messwandler realisiert werden können. Für die Anpassung an die jeweiligen Einsatzbedingungen stehen verschiedene Hüllmaterialien zur Verfügung. Neben besonders robusten Varianten, können damit auch wasserdichte, luftdurchlässige oder stoßdämpfende Messwandler eingesetzt werden.

Hohe Sicherheit

Insbesondere in sicherheitskritischen Anwendungen spielen die Zuverlässigkeit und Überwachung der Sensorfunktion eine entscheidende Rolle. Hier kann das taktile Sensorsystem mit einer Ruhestromüberwachung ausgestattet werden, die es ermöglicht, die Funktionsfähigkeit jeder einzelnen Sensorzelle zu überwachen. Durch die Verwendung stoßdämpfender Hüllmaterialien wird zusätzlich das Verletzungsrisiko im Einsatz als Kollisionssensor reduziert und ein entscheidender Beitrag zur Personensicherheit geliefert. Der Einsatz robuster Materialien gewährleistet eine hohe Lebensdauer, wobei in Langzeitversuchen bereits mehr als 50 Mio. Schaltzyklen erreicht wurden. 

Innovative Datenverarbeitung

Die Erkennung und Verarbeitung von Druckbildern und -mustern spielen eine zunehmend wichtige Rolle für die taktile Interaktion. Im Rahmen aktuell laufender Forschungsprojekte werden deshalb verschiedene Ansätze aus der Bildverarbeitung und künstlicher, neuronaler Netze untersucht, die eine zuverlässige Erkennung von taktilen Druckmustern sicherstellen. Der Einsatz drapierbarer Sensoren des Fraunhofer IFF in Kombination mit den innovativen Methoden aus der Datenverarbeitung eröffnen neue Anwendungsbereiche im industriellen Umfeld wie dem taktilen Greifen. So können Objekte anhand ihres charakteristischen Druckprofils im Greifer erkannt und einsortiert werden.

Anwendungsbereiche

 

Taktile Sensorsysteme zur sicheren Kollisionserkennung

In Anwendungen mit Mensch-Roboter-Interaktion sind taktile Sensorsysteme eine wichtige Schlüsseltechnologie für die Überwachung und Begrenzung der Interaktionskräfte zwischen Mensch und Roboter.

 

Taktile Sensorsysteme in drucksensitiven Fußbodenbelägen

Durch die Integration taktiler Sensorsysteme in Fußbodenbeläge können auf den Boden einwirkende Kräfte ortsaufgelöst erfasst werden. Derart ausgestattete Fußbodenbelag erkennen sowohl ortsfeste als auch ortsveränderliche Objekte.

 

Taktile Sensorsysteme zum gefühlvollen Greifen

Unsere taktilen Sensorsysteme ermöglichen eine dynamische und objektspezifische Anpassung der Greifkraft bei industriellen Greifern, indem sie die auf die Greifflächen einwirkenden Kräfte ortsaufgelöpst erfassen. Diese Technologie ermöglicht das reaktive Greifen nach dem Vorbild der menschlichen Hand und ist ideal für das Handling fragiler oder biegeschlaffer Objekte.

 

Taktile Sensorsysteme als Eingabegeräte

Taktile Sensorsysteme die zur sicheren Kollisionserkennung in Form einer drucksensitiven Haut auf bewegte Maschinenteile oder Roboter aufgebracht wurden, können über die Kollisionserkennung hinaus auch als Bedieninterface genutzt werden.

Weitere Anwendungsfelder

  • Messsysteme für die Erfassung von Druckverteilungen
  • Medizinische Applikationen
    • Ganganalyse (Druckmessung im Schuh, Abrollverhalten usw.)
    • Medizinische Lagersysteme (Dekubitusprophylaxe)
    • Druckmessungen an Prothesen
    • Sitzkomfortmessung
  • Automotive
    • Fahrzeuginsassenerkennung
    • Sitzkomfortmessungen
    • Drucksensitive Oberflächen
  • Virtual Reality und Augmented Reality
    • Tangible Interfaces
    • Haptische Interfaces

Referenzen

 

Taktile Sensorsysteme für die sichere Kollisionsdetektion bei der Mensch-Roboter-Interaktion

Wir entwickelten ein kostengünstiges, robustes und individuell anpassbares taktiles Sensorsystem für Robotik, das in der Mensch-Roboter-Kollaboration Kollisionen zuverlässig erkennt und den Roboter sofort stoppt, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Das Projekt TAKSENS umfasste die Entwicklung, Validierung und Demonstration der technischen Machbarkeit sowie des wirtschaftlichen Potenzials dieser Technologie.

 

Autonomes Laborassistenzsystem LiSA

Das Projekt LiSA zielte darauf ab, einen mobilen Assistenzroboter für Life-Science-Labore zu entwickeln und zu testen, der Routineaufgaben wie den Transport von Multischalen übernimmt und mit Labormitarbeitern interagiert. 

 

Kollaborierende Roboter für den Flugzeugbau

Im Projekt VALERI werden mobile und autonome Roboter für die Flugzeugproduktion entwickelt, die gemeinsam mit Menschen arbeiten und zeitintensive sowie monotone Aufgaben übernehmen sollen. Die Roboter werden durch innovative Sensorik und Kamerasysteme sicher gemacht und können perspektivisch auch in anderen Produktionsbereichen eingesetzt werden.

 

Sichere Mensch-Roboter-Kollaboration mit Schwerlastrobotern in industriellen Anwendungen

Im Projekt SAPARO entwickelten wir ein innovatives Sensor- und Visualisierungssystem, das dynamische Sicherheitszonen basierend auf Roboterbewegungen und taktilen Fußböden zur sicheren Mensch-Roboter-Kooperation mit Schwerlastrobotern ermöglicht.

 

Stationäre Industrieroboter als Assistenzsystem zur Herstellung von Druckgussformen

Das Projekt STROBAS zeigt, wie Industrieroboter den Menschen bei der Bearbeitung von Druckgussformen unterstützen können, indem sie schwere Lasten tragen und präzise Arbeiten ausführen, wodurch die Ergonomie und Effizienz der Arbeit erheblich verbessert werden. Unsere innovativen Sicherheitstechnologien stellen sicher, dass die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter ohne Gefährdung erfolgt.

 

Interaktive Technologien für die Nutzer- und Intensionserkennung mittels taktilem Fußboden für MRK-Industrieanwendungen

Die Vernetzung technischer Systeme wird immer wichtiger und der Mensch muss intuitiv damit interagieren können. Das Forschungsprojekt INTAKT untersuchte die Anforderungen an interaktive, taktile Fußböden, die durch Druckverlagerungen Nutzereingaben erkennen und Anwendungsmöglichkeiten im Smart Living, Entertainment und der Sportmedizin bieten.

 

Kollaborierende Roboter in der Montage

Das EU-Projekt ColRobot entwickelt kollaborative, mobile Roboter für die Automobil- und Luftfahrtindustrie, die monotone Aufgaben wie Lieferung von Kits, Schraubtätigkeiten und Halten von Werkstücken übernehmen.

 

Multimodales Bin-Picking 

Das pickit-Projekt erweitert traditionelle Bin-Picking-Systeme durch taktile Greiftechnologien, um die Erkennung und Handhabung unsortierter Teile zu verbessern. Das Projekt zielt darauf ab, über taktile Druckprofile zusätzliche Objektinformationen zu gewinnen, wodurch Greifvorgänge zuverlässiger und effizienter gestaltet werden können.

Robotergestütztes Teilehandling in industriellen Umgebungen 

Das EU-Projekt PICKPLACE kombiniert menschliche und robotische Fähigkeiten, um sichere, zuverlässige und flexible Lösungen für das Pick-and-Packaging zu schaffen.

Hochflexibles Greifersystem für den universellen Einsatz

Das Projekt FLEXGRIP zielte darauf ab, ein neuartiges, hochflexibles Greifersystem mit fortschrittlicher Sensorik zu entwickeln, das vielseitige Griffarten und "In-Hand-Manipulation" ermöglicht. Dadurch sollen die Einschränkungen herkömmlicher Greifer überwunden und Produktionsprozesse, insbesondere in kleinen und mittelständischen Unternehmen, effizienter und kostengünstiger gestaltet werden.